Historische
Rezeptur für eine Lippenpomade:
Ein Rezept für eine „rothe
Lippenpomade“ aus dem Jahre 1805 lautet so: „In eine reine kupferne
Pfanne bringe man ein halb Pfund frische ungesalzene Butter und zwei Unzen
reines Wachs, man lasse alles bei gelindem Feuer schmelzen, schüttle
einige Unzen gewaschene, getrocknete und zerquetschte kleine Korinthen und ein
bis drei Loth Alkannawurzel
hinzu und lasse alles zehn Minuten lang gelinde sieden. Dann gieße man
alles auf eine aufgespannte dichte Leinewand und lasse das flüssige
ablaufen, und wenn es anfängt zu erkalten, so setze man einen Löffel
starkes Pommeranzenblüthenwasser hinzu und
erhalte es unter beständigem Umrühren, bis es völlig erkaltet
ist und hebe es hernach in einem gut verbundenen Topf auf.“
Moderne Rezepturen:
In der Kosmetikproduktion werden in mehreren Arbeitsschritten aus einer
angerührten und parfümierten Farbmasse, die vorgeschmolzen
wird, in der Stunde bis zu 1.000 Lippenstifte von vollautomatischen
Abfüllmaschinen hergestellt. Die Grundsubstanz besteht aus Lanolin,
Bienen- und Carnaubawachs, angereichert mit Paraffin-
und Rizinusöl, Farbpigmenten, Pearl- und Mica-Pigmenten
und Farblacken. Gegen das ranzig werden (Oxidieren) der Öle und Wachse
wird meist Vitamin E oder andere Anti-Oxidantien
zugegeben. Zusätzlich pflegende Stoffe, wie Hyaluronsäure,
Ceramide, Panthenol, Aloe
Vera, Jojoba-Öl oder Sheabutter sind heute
ebenfalls gängige Inhaltsstoffe.
Die flüssige Lippenstiftmasse wird in vorgefettete
Aluminium-Formen gegossen, blitzschnell abgekühlt und dann per Luftdruck
rückwärts aus der Form in die Drehmechanik eingeschossen. Nachdem der
Stift umgedreht ist, wird er kurz geflammt, damit der Angusspunkt glättet
wird und der Stift mehr Glanz erhält. Für noch mehr Glanz und
Oberflächenbrillanz sorgt ein feiner Sprühnebel aus Silikon.
Lippenstifte sind sehr lange haltbar – gesetzlich vorgeschrieben sind 36
Monate, doch bei guter Lagerung hält der Stift auch 3 - 5 Jahre.
Mit einem Gewicht von ca. 5 g reicht ein Lippenstift für ca. 280
Anwendungen. Das Kilogramm kostet je nach Qualität der Inhaltsstoffe
zwischen 50 – 120 EURO.
Seeling, Charlotte: Cosmopolitan
11/1983